1 Mai 2007

the mail always goes through

Posted in Kunst, Review, Sequential Art, Webcomic um 8:07 pm von G. Neuner

pbfbutterflies1.jpgDer erste Blick täuscht.

Wie so oft stecken Abgründe hinter dem was man sieht.

Laut eigener Aussage heißt The Perry Bible Fellowship aus dem gleichen Grund so wie warum Madonna sich Madonna nennt: Weil es definitiv keine Bibelgesellschaft ist.

Nicholas Gurewitch ist der Schöpfer dieser Serie von unzusammenhängenden kleinen Kunstwerken in sehr, sehr unterschiedlicher Stilvielfalt. Seine Bilder sind oft inspiriert von Kinderbüchern. Die Menschen in dieser Serie sind oft nichts anderes als knuddelige Comicgestalten, der Horror in den dargestellten Situationen verbirgt sich hinter zuckersüß gezeichneten Bildern von Märchenwesen. Die meisten seiner Charaktere sehen aus als wären sie gerade einem typischen Kinderbuch entsprungen in dem es keine Gewalt und keine Krankheit gibt, und Gurewitch spielt mit diesen Bildern. Und mit den Märchen und der Popkultur unserer Jugend. Und mit unseren Erwartungen an das, was wir früher einmal über all diese Charaktere beigebracht bekommen haben. Die Ironie die sich in all diesen Geschichten aus unserer Kindheit verbirgt zeigt sich in ihrer ganzen unfreiwilligen Perversität.

Wie groß muß ein Mondhase sein damit man ihn auf der Erde sehen kann? Wie sieht ein Superheldenteam aus mutierten Haustieren aus? Was passiert mit einem Klempner der glaubt durch den Abfluß in ein Märchenreich kommen zu können? Und welches Schicksal erwartet den Wolf im Schafspelz wirklich?

Wahrscheinlich hat sich niemand außer ihm je solche Gedanken über die Geschichten unserer Kindheit gemacht. Und so bietet dieses Comic eine bizarre Lektüre. All diese Erinnerungen an das was unsere Eltern oder die Medien uns an Märchen und Geschichten gezeigt haben wird uns wieder gezeigt, so wie es wirklich war, oder so wie es hätte sein können.
Und andauernd schimmert ein grotesker Zynismus in den Botschaften durch die wir durch diese kleinen Geschichten gelehrt bekommen. Ein Zynismus der die positiven Botschaften die früher einmal diese Geschichten begleitet hat ad absurdum führt.

Seine frühen Geschichten sind da nicht unbedingt so subtil. Wie soll die Geschichte des Mannes ohne Penis wohl am Ende ausgehen?

Aber er entwickelt sich. Sowohl von seiner Stilvielfalt wie von seiner Erzähltechnik her. Zunehmend komplexer werdend bietet sich hier dem Leser nach einiger Zeit manchmal ein überaus trockener Humor dessen Pointe oft so verschachtelt ist daß man den Strip schon mehrmals lesen muß um alles zu verstehen. Und das ist eigentlich schon eine bemerkenswerte Sache für einen Comic Strip der keine fortlaufende Geschichte hat und regelmäßig nach drei Bildern zu Ende ist. Eine Konzentration von sarkastischer Gesellschaftskritik und klaren Bildern wie man sie sonst in so einer kleinen Größe finden kann.

Sehr empfehlenswert, wenn auch manchmal nicht für Leute geeignet die sich ein letztes Fünkchen von ihrer Kindheit bewahren wollen. Die wird von diesem Comic nämlich gründlich dekonstruiert.

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1 Kommentar »

  1. wortman said,

    teilweise recht makaber die sachen. aber nicht uninteressant.


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