19 Oktober 2007

Oíche mhaith Gaeilge

Posted in Irisch, Irland, Kultur tagged , um 11:35 pm von G. Neuner

Irisch ist eine wunderschöne Sprache. Sie klingt von Natur aus poetisch, hört sich an wie das Land in dem sie gesprochen wird, und ist so tot wie der kaspische Tiger. Soll heißen: eventuell ist die Sprache schon noch da, nur wenn dann sehr versteckt, und so richtig glaubt daran niemand mehr.

Ja, ich weiß, das ist eine Übertreibung. Sogar eine recht gemeine. Was den Status der Sprache angeht ist sie aber (leider) fast wahr. Jeder in Irland wächst, selbst in den gaeltachts, den immer noch irischsprachigen Gebieten in Irland, zumindest zweisprachig auf. Es geht einfach nicht mehr anders, die Übermacht des Englischen ist zu groß. Irisch ist am Aussterben. Und das schon seit 200 Jahren. Die Sprache hat sich sogar wieder etwas erholt und gleicht mittlerweile deswegen eher einem Zombie als einem Lebenden. Und ich sage das obwohl ich diese Sprache mag und weiß, daß diese Sprache erst vor drei Jahren zu einer der offiziellen Sprachen der EU gemacht wurde und damit rechtlich gleichgestellt ist mit Deutsch, Englisch, Französisch, usw.

Vor ein paar Tagen kam dann hier in den Medien praktisch die Folgenachricht dazu: Die EU hat jetzt die irische Regierung gerügt. Es gibt nämlich nicht genug Übersetzer die für die EU arbeiten wollen würden.
Zwar ist Irisch jetzt eine offizielle Sprache der EU, aber es gibt einfach keine Leute um die ganzen Dokumente zu übersetzen die die EU jedes Jahr en masse produziert.
Man kann jetzt natürlich sagen, daß sie also keine Leute haben um Sachen zu übersetzen die sowieso in keiner Sprache von irgendwem gelesen werden, aber das wäre immer noch fies. Auch wenn es war wäre. Insgesamt haben sich nur 5 Übersetzer gemeldet und davon sind 3 nach einiger Zeit wieder abgesprungen. Wahrscheinlich als sie bemerkt haben daß alles was sie die nächsten Jahre (oder auch Jahrzehnte) tun würden die Übersetzung des europäischen Grundrechts wäre.

Was ich damit sagen will: Irisch befindet sich seit knapp zwei Jahrhunderten in einem bitteren Rückzugsgefecht, und der einzige Grund warum es immer noch existiert ist die Tatsache, daß man als Gentleman auf einen am Boden liegenden Verwundeten nicht weiter eindrischt, sondern versucht wenigstens seine Wunden zu versorgen. Irish ist die offizielle Landessprache in Irland, wird von der ersten Klasse an als Pflichtfach unterrichtet und ist in allen Straßen hier auf den Schildern und Verkehrszeichen zu sehen. Man versucht diese Sprache künstlich am Leben zu erhalten.
Erinnert ihr euch noch daran wie Papst Johannes Paul II am Ende gewirkt hat?
So in etwa wirkt das ganze manchmal.
Aus durchaus triftigen Gründen allerdings wird die Sprache trotzdem noch hochgehalten: Irland ist als ehemalige Kolonie Englands ein Teil der englischsprachigen Welt, irische Autoren haben die englischsprachige Literatur (mal ganz abgesehen von der Weltliteratur) über das letzte Jahrhundert maßgeblich mit beeinflusst, und die Tatsache, daß man als Ire normalerweise fließend Englisch spricht, bringt einem bessere Jobchancen im ganzen Rest der anglophonen Welt und darüber hinaus ein. Dennoch ist Irland eben nicht nur ein Anhängsel der Nachbarinsel sondern war über Jahrhunderte eine eigenständige, oft sogar für andere Länder maßgebliche, Kultur. Und das wollen sie auch bleiben. Etwas eigenständiges.

Und dazu gehört eben auch eine eigene Sprache. Vor allem wenn man eben eine eigene Sprache hat.

Ich bin jetzt persönlich ja eigentlich eher für eine größere Ausbreitung des Irischen. Der Verlust einer Sprache, wie er eben beim Irischen jetzt schon seit längerem bevorsteht, ist etwas was mich in meiner kleinen Linguistenseele immer schmerzt. Aber ich sehe eben auch die Realität des ganzen. Vor allem jetzt, wo ich hier in Irland bin. Ich weiß, daß es nicht passieren wird. Die Sprache kann sich nur durch ein Wunder wieder erholen. Der Plichtirischunterricht hier an den Schulen mag im Prinzip eine gute Idee sein, nur ist diese Idee einfach mangelhaft umgesetzt. Genau wie der Lateinunterricht bei uns führt er kaum dazu daß mehr Leute diese Sprache dann auch wirklich aktiv sprechen. Es wird eher ein Passivwortschatz gebildet der aber nie aktiv trainiert wird. Vor allem weil eigentlich viel zu spät damit begonnen wurde die Sprache zu pushen und somit Leute Irisch unterrichten mussten die es selbst kaum oder ganz klar als Zweitsprache sprachen, weil es kaum irischsprachigen Medien gab (weil es viele Literaturströmungen, der Roman z.B. garnicht erst geschafft hatten in diese Sprache übernommen zu werden) und für lange Zeit die Versuche dem Abhilfe zu schaffen einer gnadenlosen moralischen Zensur zum Opfer fielen (man war ja noch im erzkatholischen Irland…). Weil Irisch lange Zeit mehr als etwas gemütlich-heimeliges, uririsches gesehen wurde und nicht als Möglichkeit für eine eigenständige Kultur.
Schade eigentlich.

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