5 November 2007

Déjà vu in Adare

Posted in Irland, Leben tagged , , , um 3:09 am von G. Neuner

Oh sweet Adare! oh, lovely vale!
Oh, oft retreat of sylvan splendour,
Nor summer sun, nor morning gale
E’er hailed a scene more softly tender
-Gerald Griffin

Den Tag über waren wir in Adare, einem Ort südlich von Limerick der durchaus zurecht den Titel „Irelands Prettiest Town“ trägt. Und weil es so schön ist hat die irische Regierung Adare auch zu einem offiziellen Heritage Town gemacht, damit jeder sehen kann wie so eine typisch-irische Kleinstadt früher mal ausgesehen hat. Gut, jetzt ist das noch nicht wirklich so wichtig, davon gibts genug, aber wart mal noch 50 Jahre, dann sind die Leute froh drüber. Nur die Leute in Adare werden sich darüber bedanken künstlich auf dem Stand von vor 60-70 Jahren gehalten zu werden, aber damit haben ja auch andere irische Gegenden schon Erfahrungen gemacht.

Tatsache ist daß Adare wirklich ein Schmuckstück von solch einer typisch irischen Kleinstadt ist. So sehr, daß anscheinend die ganze Stadt davon leben kann. Eine solche Ballung typischer Touristenläden sieht man selten in einer Stadt, kaum ein Haus in der Hauptstraße daß nicht von einem kleinen Touristenladen, Cafe oder Restaurant in Beschlag genommen wird. Der größte Teil davon ist um diese Jahreszeit geschlossen, wenn man den Gerüchten glauben kann geht eines dieser schmucken Häuser schon mal für eine Million über den Tisch und offenbar rentiert sich das aber auch so stark durch die Einnahmen aus den kleinen Läden so sehr, daß man die Zeit außerhalb der Saison auch mal zumachen kann.

Wenn man die Preise in den Läden zugrunde legt und davon ausgeht, daß es immer ein paar Trottel gibt die so etwas zu diesen Preisen kaufen versteht man das auch. Da gehen häßliche (und vor allem sehr nutzlose) Touristenandenken über die Theke die ich in anderen Touristenläden in Irland auch schon mal zum halben Preis gesehen habe. Und da schon überteuert fand.

Der stärkste Eindruck den ich heute allerdings mitgenommen habe war ein anderer. Ein überstarkes Déjà vu nämlich als ich aus dem Bus gestiegen bin und mich umgeblickt habe und mir selbst sagen musste: Den Ort kennst du schon! Das kommt die alles sehr, sehr bekannt vor! Und hey! Das Heritage Center dort, das kennst du doch!

Ich konnte mich noch lebhaft an meinen letzten Aufenthalt hier erinnern. Ich war da schonmal!

Und als ich dann schließlich auch im Heritage Center drin war musste ich feststellen, daß sich die letzten fünf Jahre sich nicht nur rein garnichts geändert hat an diesem Ort, sogar die Leute an diesem Ort waren die gleichen wie die die uns damals schon so komisch genervt angegafft haben als wir auf Kollegstufenfahrt dort waren. Höchstens noch ein kleines bißchen älter und verbitterter. Wäre ich auch wenn ich fünf Jahre lang immer am gleichen Schalter nichts tun würde als Touristen zu bedienen.

Der Witz daran ist nun, daß ich langsam wirklich keine Orte mehr habe wohin ich in Irland fahren kann. Unser Englischlehrer hat unsere Fahrt damals offenbar so genial-genau geplant gehabt (er hatte sie ja auch schon oft genug gemacht), daß mir langsam einfach fast keine Orte mehr einfallen die ich mal so besuchen könnte, weil ich überall schon mal war!

Ich glaube der einzige Ort an dem wir damals nicht waren war der Hill of Tara, weil bis dahin jeder im Bus so angenervt von irischen Hochkreuzen war, daß es wahrscheinlich eine Revolte gegeben hätte, hätte er versucht uns noch ein paar unterzuschieben. Er hatte als Erdkunde- und Englischlehrer nicht wirklich viel Ahnung davon warum Hochkreuze so wichtig für Irland sind, aber er hat trotzdem versucht uns die Bedeutung derselben zu zeigen. Ich vermute immer noch, daß er uns damit irgendwie verarschen wollte, die ganzen Orte um die Hochkreuze herum waren nämlich die kulturellen Zentren Irlands. Was regelmäßig von ihm mit einem Nebensatz abgehandelt wurde.

Ich hatte also vor fünf Jahren eine großartige und detailierte Tour durch Irland. Es wäre nur besser gewesen wenn ich nicht während der Busfahrt immer geschlafen hätte. Die Übernachtungsorte waren sorgfältig danach ausgewählt nur die allerbesten Weggehmöglichkeiten zu bieten (wie gesagt: er hatte die Tour schon öfters gemacht…) und so habe ich von den Orten an denen wir dann waren vieles mitbekommen, nur die Namen sind mir öfters mal entgangen.

Heute also mal wieder Adare, wie gesagt Off-Season, deswegen mit weniger Läden und ziemlich kalt, dafür aber auch weniger Touristen. War jetzt auch nichtmal so ein langwieriges Unterfangen dorthin zu kommen, oder wieder von dort weg. Zum Glück! So nett es auch da sein mag, mehr als ein paar Stunden und die künstlich verordnete Ordentlichkeit dieser Stadt geht einem tierisch auf den Geist.

Als ich am nachmittag heimkomme bemerke ich warum ich den ganzen Tag so müde durch die Gegend geschlappt bin und keinen klaren Gedanken fassen konnte: Auf meinem Tisch steht immer noch die randvolle Kaffetasse die ich mir heute morgen eingeschenkt hatte. Mittlerweile sehr kalt und damit sehr eklig.

Merke: Kaffee wirkt nur wenn man ihn auch zu sich nimmt.

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