25 November 2007

Blarney

Posted in Irland, Kultur, Welt um 3:02 am von G. Neuner

Am letzten Samstag hatte ich dann meinen zweiten Trip nach Cork. Ein Trip der jetzt auch nicht soviel neues gebracht hat, außer, ja, die Toiletten im Kunstmuseum sind verwirrend, sagt auch die Dame die mit mir im Museum war, obwohl sie ihr offenbar gefallen haben. Und die Stadt beschert mir fast automatisch Kopfschmerzen. Auch diesmal war es wieder etwas feucht in der Stadt.

Interessanter war dagegen der Trip nach Blarney, wegen dem ich überhaupt noch einmal den Weg nach Cork mitgemacht habe. Angeblich gehört es zu den 99 Sachen die man tun sollte bevor man stirbt, den Blarneystein zu küssen. Meine eigene persönliche Liste dieser Dinge hat sich also gerade einen weiteren Punkt vorangearbeitet und liegt nun auf Platz 14 (hey, ich habe nicht vor so schnell zu sterben…da ist noch viel Zeit).

Blarney ist eines dieser Touristenzentren.

Ich habe ja durch meine Arbeit einen kleinen Vergleich zu dem ganzen. Interessanterweise ist Blarney ein Ort des Massentourismus, eben wegen des Steins dort, während die Burg zuhause erst noch bekannt werden will. Der Stein ist dann auch der Grund weswegen Leute eben dort hinkommen, dort 9€ am Eingang zahlen um danach durch einen netten Park stapfen, um irgendwann an eine Ruine zu kommen. Das ist dann Castle Blarney. Man hat das ganze so weit wie es nur geht ausgearbeitet um auch jedem Besucher irgendwas zu bieten. Dummerweise ist es eben eine Ruine, deswegen gibt es nicht mehr allzu viel zu sehen ausser leeren Räumen. Durch die wird man langsam hochgeführt während man mit Schautafeln in die Geschichte der Burg eingewiesen wird. Die Geschichte bestand offenbar zum größtenteils daraus daß Churchill und Oliver Hardy den Stein geküsst haben.

Ja, es wird nicht allzu viel erzählt von der Geschichte. Manchmal scheint es daß jede zweite davon nur dazu da ist den Ausdruck „That’s Blarney“ erklären will, also „das ist Gewäsch“ ungefähr. Deswegen küsst man den Stein nämlich. Um die Gabe der Eloquenz zu erhalten, die Fähigkeit mit vielen und treffenden Worten eigentlich rein gar nichts zu sagen.

Wenn man dann oben, ganz oben ankommt erwartet einen dort ein alter Mann der sich vor allem dadurch auszeichnet jedes Jahr hundertausende, wenn nicht sogar Millionen Frauen in den Armen halten zu können. Er hilft einem nämlich dabei den Stein zu küssen ohne dabei in den Tod zu stürzen. Das war wohl auch so ein Problem: um den Stein zu küssen muß man sich nämlich kopfüber in eine Loch hinablassen unter dem nichts mehr ist als Luft und irgendwann die Realität eines sehr harten Bodens.

Was genau der Stein von Blarney ist, daß weiß keiner eigentlich so genau. Man sagt etwas vom Kopfkissen Jesu oder dem originalen Krönungsstein von Schottland. Bekannt wurde er jedenfalls dadurch daß der Fürst von Blarney irgendwann in Verhandlungen mit Königin Elisabeth I. war und es dabei schaffte mit viel diplomatischen Geschick allen Forderungen der Königin zu wiedersprechen und dabei noch absolute Treue zu schwören.

Ich war zum Glück der erste an diesem Tag, noch weit vor unserem Finnen der den Stein unbedingt feucht küssen musste. Besser war das.

Eine Kleinigkeit die mir dann noch aufgefallen ist war Badger’s Cave, eine kleine Höhle unterhalb der Burg die angeblich bei Belagerungen zur Flucht genutzt wurde. Heute kann man noch immer dort hinein gehen, das einzige Problem dabei besteht wohl in der Tatsache daß es dort dunkel ist und man wirklich die Hand vor Augen nicht sehen kann wenn man nicht sehr gute Dunkelsicht oder ein helles Handy dabei hat (oder, man fasst es kaum, eine Taschenlampe). Ich bin natürlich als alter Höhlenbär gleich dorthineingezockelt und habe es eben dank meines Handies wirklich bis ans Ende des gehbaren Bereichs geschafft. Ich habe auch ein paar meiner Kolleginnen einen ordentlichen Schrecken versetzt als ich herasukam während sie sich gerade langsam hineingeschlichen haben.

Alles in allem war das mal ein Ort der mich allein von seinem Aussehen sehr an zu Hause erinnert hat. Die Burg, die Höhle, der Wald außen herum, die Farne die überall wucherten… Da habe ich erst wieder bemerkt wie sehr ich meine Gegend eigentlich vermisse.

So, und nun noch der absolute Touristengeheimtip: Wer sich unbedingt irgendwelche typisch irischen Souvenirs aus Irland mitnehmen möchte, der sollte einfach mal nach Blarney fahren und dort in den Souvenirladen der Blarney Cotton Mills gehen. Da haben sie einen der größten Tourishops die ich je gesehen habe, und gleichzeitig den billigsten der mir in dieser Hinsicht jemals untergekommen ist. Da sind die Sachen tatsächlich bezahlbar. Und im angeschlossenen Restaurant soll es ein großartiges Stew geben. Sagt zumindest meine australische Mitbewohnerin.

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