20 Juli 2008

„StudiVZ läuft so gut, das verkaufen wir nicht“

Posted in Kurios, Social Networks, Software, Welt tagged , , , , , um 6:09 pm von G. Neuner

sagt laut Golem.de der Holtzbrinck-Manager Konstantin Urban… kein Wunder, es ist ja auch wirklich erfolgreich genug. Offenbar so erfolgreich, daß Facebook jetzt StudiVZ verklagt weil es Facebook schamlos kopieren würde, und damit Marktanteile wegnimmt.

Womit sie ja auch zweifellos recht haben. Das ist ja seit Jahren bekannt und ich (genau wie eigentlich auch viele andere) habe mich schon oft gefragt warum sich Facebook das gefallen lässt. In gewisser Weise ist es schon recht saublöd strunzdumm idiotisch leichtsinnig, einen Kopisten einfach mal so jahrelang vor sich hinwerkeln zu lassen. Aber irgendwie war da wohl auch jahrelang die typische amerikanische Überheblichkeit dabei das Zentrum der Welt zu sein. Ja, gut, fast jeder spricht Englisch, fast jeder kann diese Plattform benutzen, aber es hilft einer Plattform trotzdem wenn es sie auch auf anderen Sprachen gibt. Vor allem wenn man erstmal Jahre braucht um überhaupt Leute ohne amerikanische College-emailaddressen in die Plattform reinzulassen. Vor allem wenn einer der größten Märkte der Welt für moderne Software/Unterhaltungsmedien (Deutschland) es gewohnt ist daß jedes kleine Fitzelchen Text, Sprache und was-auch-immer erstmal vorgekaut und in die Landessprache übersetzt wird. (…spricht hier mein Ärger über den Synchrowahn der Filmindustrie aus mir?)

Vor allem weil der Kopist ja eigentlich bewiesen hat, daß die Nachfrage die ganze Zeit dagewesen ist. Vor allem die Nachfrage nach genau so einer Plattform wie man sie eben gerade kopiert hat. Immerhin ist genau das ja so erfolgreich, oder?

Meiner persönlichen Erfahrung nach ist das ganze in der Hinsicht sowieso etwas bizarr… niemand schert sich um die Tatsache daß die Oberfläche auf Englisch ist, solange es keine Alternative in der Landessprache gibt. Und wenn die Plattfrom etabliert ist, dann wechselt man auch nicht mehr… (auf jeden Fall nicht von Heute auf Morgen, man braucht einen gewissen Anreiz dafür, heißt: Bekannte die die neue Plattform nutzen)

Kleines Bild aus meiner eigenen Erfahrung: in GB und Irland benutzt man or allem Bebo, was ungefähr eine Mischung aus Facebook und Myspace ist. Es war da, es wurde von der Firma gepusht, es hat sich verbreitet, und jetzt kommt da kein anderer mehr auf den Markt… in Schweden und Finnland gab es keine Alternative, da hat sich Facebook ohne Probleme ausgebreitet, wahrscheinlich auch weil diese Länder sowieso ziemlich gut Englisch sprechen. Meine ganzen Bekannten in diesen Ländern haben jedenfalls einen regen Austausch mit Bekannten aus ihren Ländern auf Facebook.

Bei meinem Aufenthalt in Irland habe ich dann festgestellt, daß auch Leute die solche Plattformen vorher nicht kannten/gebraucht haben (Franzosen, Spanier, Polen…), sehr schnell Facebook adaptiert haben (und nicht etwa Bebo) weil es eben ein bequemeres Tool zum Networken ist, und weil die anderen ausländischen Studenten alle in Facebook waren. Außer den Deutschen natürlich, die waren teilweise mit soetwas außen vor und waren größtenteils die letzten die sich angemeldet haben. Es hat sich am Ende eine interessante kleine Gruppendynamik entwickelt, weil die Plattform eben genau das macht was man von ihr will.

(ich schiebe jetzt mal alle Bedenken wegen Datenschutz und Kopieren beiseite und betrachte das mal rein vom Aspekt „Nutzen und Bequemlichkeit zum Networken und Kontakt halten“ her…)

Was ich damit sagen will… Facebook hätte sich das Problem mit StudiVZ zu einem großen Teil sparen können wenn sie einfach mal zu Potte gekommen wären!

Der Spiegel analysiert da auch gleich mit und meint, daß die Amerikaner gar nicht so viele Chancen haben. Eher gar keine um genau zu sein…

Wahrscheinlich, so wird vermutet, geht es eher darum den Preis für einen Verkauf von StudiVZ zu drücken. Und der Verkauf des VZs and Facebook war etwas was schon seit Beginn eigentlich erwartet wurde. Wenn die Plattformen schon so ähnlich sind, warum nicht einfach zusammenfassen?

Die Vermutung wurde damals beim Verkauf des VZs an Holtzbrinck zerschlagen, und die werden sich offenbar hüten die Gans die goldene Eier legt zu schlachten. Außer natürlich ihnen würde der richtige Preis geboten. Mal ehrlich… in der Hinsicht ist doch jede Meinung käuflich. Vor allem die Meinung ob ein Unternehmen „soviel“, „genug“ oder „so wenig daß wirs auch verkaufen können“ an Geld verdient.

Nach den ganzen StudiVZ-Skandalen stehen wir also vor dem ersten richtigen Social Network-Krieg (vermute ich zumindest…).

Ich geh mir mal Popcorn holen…

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2 Kommentare »

  1. Impi said,

    Ich denke weniger, dass wir hier einen Anlass zur üblichen, antiamerikanischen Rhetorik haben („typische amerikanische Überheblichkeit“). Ich denke eher das ein Unternehmen wie Facebook gezielt mit seiner Klage gewartet hat, bis bei StudiVZ auch etwas Geld zu holen ist. ;)

  2. Crescent said,

    Hmm… nein, das sollte kein Versuch Antiamerikanischer Rhetorik sein, Am Ende kams aber so raus…hmmm; es entspricht (in meiner Erfahrung) aber leider ziemlich oft der Wahrheit… die Überheblichkeit besteht darin das eigene Land (USA! USA!) als Zentrum und Maßstab der Welt zu betrachten. Das ist bei vielen Amerikanern einfach eine verbreitete Aufassung. Nicht bei allen, aber bei so einigen.
    Und es ist meine Einschätzung, daß das Management dieser Firma einfach zu lange auf ihrem Arsch gesessen hat weil sie dachten, daß ihnen woanders eh niemand das Wasser reichen kann.


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